Long COVID und ME/CFS: Bundesregierung investiert 500 Millionen Euro in Forschung
Die Bundesregierung setzt ein deutliches Signal im Umgang mit postinfektiösen Erkrankungen: Mit der „Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“ investiert der Bund erstmals langfristig und strategisch in die Erforschung von Long COVID, ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) und verwandten Krankheitsbildern. Zwischen 2026 und 2036 sollen insgesamt 500 Millionen Euro in Forschung, Vernetzung und Studien fliessen. Für Millionen Betroffene bedeutet diese Entscheidung neue Hoffnung auf wirksame Therapien und bessere Versorgung.
Postinfektiöse Erkrankungen galten über Jahrzehnte als unterfinanziert und unzureichend erforscht. Dabei sind die Zahlen alarmierend: Mehr als 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leben Schätzungen zufolge mit Long COVID oder ME/CFS. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten – etwa durch Arbeitsausfälle, Pflege und medizinische Versorgung – werden auf über 60 Milliarden Euro jährlich beziffert. Die nun angekündigte Forschungsdekade gilt daher als überfälliger Wendepunkt in der Gesundheitspolitik.
Grosse Chance für spürbare Verbesserungen
Betroffenenverbände und Fachgesellschaften reagieren mit vorsichtigem Optimismus.
„Die Nationale Dekade stellt eine grosse Chance für spürbare Verbesserungen für Hunderttausende Erkrankte dar und ist ein wichtiger Schritt, um die Anerkennung und Versorgung von ME/CFS weiter voranzubringen“, sagt Sarah Müller, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS.Ziel der Initiative ist es, die bislang fragmentierte Forschungslandschaft zu bündeln, interdisziplinäre Projekte zu fördern und langfristige Studien zu ermöglichen. Besonders im Fokus stehen dabei Krankheitsmechanismen, Biomarker, Diagnostik und therapeutische Ansätze.
Forschung mit und für Betroffene
Ein zentraler Erfolgsfaktor der Dekade ist aus Sicht von Expert:innen die enge Einbindung von Patient:innen. Postinfektiöse Erkrankungen sind komplex und heterogen: Symptome überschneiden sich, während die zugrunde liegenden biologischen Prozesse unterschiedlich sein können. Ohne die Perspektive der Betroffenen drohen Forschungsergebnisse an der Lebensrealität vorbeizugehen.
„Einige der international führenden Forschenden auf diesem Gebiet arbeiten in Deutschland“, erklärt Mia Diekow, Sprecherin von Long COVID Deutschland. „Die angekündigte Forschungsdekade ermöglicht es ihnen erstmals, langfristig zu planen und dringend notwendige Studien umzusetzen, die teilweise bereits vorbereitet sind.“
Für viele Erkrankte rückt damit erstmals eine wirksame Behandlung – und langfristig möglicherweise sogar eine Heilung – in greifbare Nähe. Die Nationale Dekade gilt daher nicht nur als wissenschaftliches Grossprojekt, sondern als Hoffnungsträger für mehr Anerkennung, bessere Versorgung und konkrete medizinische Fortschritte.
