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Das sagen Schulnoten über eine erfolgreiche Zukunft aus

Das Bildungssystem steht immer wieder auf dem Prüfstand – besonders Schulnoten werden kontrovers diskutiert. Aktuelle Studien zeigen nun, wie aussagekräftig sie tatsächlich sind.

„Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“ – Sätze wie diesen hörte ich während meiner Schulzeit oft. Heute, mit etwas Abstand, Lebenserfahrung und Einblicken in unterschiedliche Lebensläufe, erkenne ich: Der Kern stimmt. Allerdings hat er wenig mit dem zu tun, was ich fachlich in der Schule gelernt habe. Es überrascht daher kaum, dass seit Jahren immer wieder der Sinn und Zweck von Schulnoten sowie ihre Vergleichbarkeit hinterfragt werden – bisher jedoch meist ohne grundlegende Veränderungen.

Schulnoten sagen wenig über Können aus

Eine aktuelle Studie der Universität Tübingen und des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) der Humboldt-Universität zu Berlin kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Schulnoten geben kaum Aufschluss über die tatsächlichen Fähigkeiten von Schüler:innen. Die Bildungsforscher Nicolas Hübner und Malte Jansen verglichen dazu die Leistungen von mehr als 55.000 Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern in Mathematik und Englisch der IQB-Bildungstrends 2015 und 2018 mit ihren Schulnoten.

Schlechte Noten – schlechte Zukunft?

Eine weitere Untersuchung widmete sich der Frage, ob Schulnoten die späteren Karrierechancen beeinflussen. Alexandra Starr von der University of York erfasste zunächst die Durchschnittsnoten in Englisch, Mathematik und Naturwissenschaften am Ende der Schulpflicht. Als die Teilnehmenden rund 23 Jahre alt waren, wurden erneut Daten zu Bildungsabschluss, Beruf, Einkommen, Wohlbefinden und weiteren Lebensbereichen wie Alkoholkonsum erhoben. Für die Langzeitstudie, veröffentlicht in „Developmental Psychology“, wurden 6.500 Brit:innen der Jahrgänge 1994 bis 1996 befragt.

Das Ergebnis: Gute Noten erleichtern den Einstieg in den weiteren Bildungsweg – insbesondere für Schüler:innen, die aufgrund ihrer sozialen Herkunft schlechtere Startbedingungen haben. Abgesehen davon zeigen Noten jedoch kaum einen Einfluss auf andere Lebensbereiche.

Soziale Herkunft zählt am meisten

Entscheidender für die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen ist das Elternhaus: Je höher Bildung, Beruf und Einkommen der Eltern, desto besser die Noten der 16-Jährigen. Das wirkt sich auch auf den Bildungsstatus mit 23 Jahren aus – unabhängig vom Geschlecht. Die Studie zeigt außerdem: Jugendliche mit schlechten Noten aus benachteiligten Familien erreichen später einen niedrigeren Bildungsstatus als Gleichaltrige mit ähnlichen Noten aus privilegierteren Familien. Bei guten Noten spielt die soziale Herkunft hingegen kaum eine Rolle.

Bildungserfolg und Chancengleichheit

Schulischer Erfolg kann also vor allem für Kinder aus benachteiligten Familien ein Schlüssel sein, um die Nachteile ihrer Herkunft auszugleichen. Gleichzeitig verdeutlichen die Ergebnisse erneut: Nicht allein Schulnoten, sondern vor allem die soziale Herkunft bestimmen, wie erfolgreich der Einstieg ins Leben gelingt. Wirkliche Chancengleichheit ist davon noch weit entfernt.